Linnemann: Wer nicht lesen will, kann hören: Der Audiohype für Kinder | KIDS.TEENS & MARKE

Wer nicht lesen will, kann hören: Der Audiohype für Kinder

Kinderhörspiele sind in. Auch ohne Kassettendeckt. Kürzlich verkündete Amazon, dass Alexa die neue Hörspiel-Funktion unterstützt, mit der speziell nach Titeln für Kinder und Jugendliche gesucht werden kann. Elisa Linnemann, Head of Marketing Family Entertainment, Sony Music Entertainment, spricht im Interview über die Potentiale von Audio für Kinder.

Der Podcast-Markt: Boom, Hype, Trend oder eigentlich schon angekommen? Wie ist Ihre Einschätzung?
Linnemann: Der Podcast ist aus meiner Sicht ein etabliertes Format, mit dem erfolgreiche Broadcasting Formate hohe Reichweiten erzielen. Ein anhaltender Hype um Podcasts hat sicher noch lange nicht seinen Gipfel erreicht. Für die Generierung von Reichweiten sind Podcasts spannend.  
 
Mit Audio im Netz lässt sich Geld verdienen. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung?  
Linnemann: Zielt man auf eine Monetarisierung von Podcasts, erfolgt diese derzeit durch den Verkauf der Inhalte an Plattform-Anbieter oder durch Werbeeinnahmen. Letzteres birgt noch viel Potential und steckt in den Kinderschuhen. Anbieter wie Acast aus Schweden sind nunmehr am deutschen Markt und versprechen Lösungen.  
 
Wer ist die Zielgruppe für Podcasts?   
Linnemann: Wir vermarkten Hörspiele für Kinder. Das sind Audio-Geschichten für Kinder, die dafür geschrieben und produziert wurden. In sich (ab-) geschlossene Geschichten werden in verteilten Rollen gesprochen und mit Geräuschen und Musik zu einer Komposition zusammengefügt. Wir glauben an dieses Format für Kinder. Podcast und Hörspiele haben auch Gemeinsamkeiten. Das Serielle und der Fortsetzungscharakter funktioniert bei Jung wie Alt. Die Zielgruppe muss nur in den Bann gezogen werden.
 
Welcher Content ist bei Kindern gefragt?
Linnemann: Um Kinder zu erreichen, braucht es letztendlich Geschichten, die sie begeistern, die ihre Phantasie anregen, die Kinder interessieren.  Je nach Alter des Kindes ist zu beachten, dass der Inhalt nicht ‚nur‘ dem Kind gefallen muss, sondern muss sich auch bei den Eltern bewähren. Formaten für Kinder, die als Podcast ausgespielt werden, stehe ich kritisch gegenüber. Es ist immer zu hinterfragen was Sinn und Zweck des freien Angebots ist. Meine eignen Kinder hören Hörspiele, die werbefrei sind. Dafür zahle ich gern monatlich meinen Streaming Dienst.  
 
Sie sagen im internationalen Audio-Markt schlummern enorme Chancen, welche?  
Linnemann:
In Deutschland gehört das Hörspiel und das Hören von Geschichten zum Medien-Alltag des Kindes. Audio-Stories für Kinder sind in anderen Märkten bei weitem nicht so etabliert. Ich glaube es gibt ein Momentum, denn dank Podcasts ist das Hören von Spoken Word Content beliebter denn je und jetzt ist die Chance, das Hörverhalten von Musik auf Story auch in anderen Märkten auszuweiten. Es müssen nur ansprechende und qualitativ hochwertige Audio-Geschichten produziert werden.
 
Was raten Sie Unternehmen, die ihre junge Zielgruppe mit Podcasts erreichen wollen?  
Linnemann: Gute Beratung für die Überlegung, ob ein Podcast Format selbst produziert und etabliert werden sollte, oder ob man sich auf gute Werbung konzentriert in reichweitenstarken Podcasts, die beispielweise Eltern oder Teens erreichen.