Referenteninterviews | KIDS.TEENS & MARKE

Referenteninterviews

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"Anthropologisch grundlegende Art des Lernens ist die spielerische Wissenvermittlung"

"Anthropologisch grundlegende Art des Lernens ist die spielerische Wissenvermittlung"

Dr. Nicolas Dierks, Jg. 1973, begeistert Menschen für neue Perspektiven - mit Vorträgen, Workshops, dem SPIEGEL-Bestseller "Was tue ich hier eigentlich?" (Rowohlt 2014) und "Luft nach oben: Philosophische Strategien für ein besseres Leben" (Rowohlt 2017). 2018 erscheinen die ersten beiden Bände einer neuen Philosophiereihe für Jugendliche im renommierten Thienemann-Verlag. Der promovierte Philosoph lebt in der Nähe von Lüneburg und gibt an der dortigen Leuphana Universität Seminare in Wissenschaftstheorie. Er berät Unternehmen zum Thema Innovation, trinkt gerne guten Espresso und vermittelt Philosophie mit Leidenschaft und Humor.

Welche Bedeutung hat Spielen heute?
Spielen war für Menschen schon immer sehr wichtig - und nicht nur für Menschen. Auch andere Spezies spielen, wie Hunde, Katzen oder manche Vogelarten. Das Spielen gehört zu unserer Natur. Heute sind wir aufgrund unserer Lebensweise, unserer großen Freiheiten und auch durch die technischen Möglichkeiten in der Lage, dem Spielen sehr viel Raum zu geben. Das ist in vielen Lebensbereichen zu merken - im Business-Kontext gibt es allerdings noch viel zu tun.

Ist Spielen ein Grundbedürfnis von Menschen?
Davon bin ich überzeugt. Spielen ist Teil aller Kulturen, die uns bekannt sind. Die Philosophin Martha Nussbaum hat im Rahmen ihrer theoretischen Arbeit für die Entwicklungshilfe der UN eine Liste mit Grundfähigkeiten erstellt, die für ein menschenwürdiges Leben unabdingbar sind. Neben körperlicher Integrität oder Mitbestimmung der eigenen Umstände hat sie auch die Möglichkeit zu Spielen darin aufgenommen. Wird Menschen diese Möglichkeit verwehrt, wird das als ein fundamentaler Eingriff in die Lebensqualität empfunden.

Warum ist Spielen so wichtig?
Spielen kann viele verschiedene Funktionen übernehmen - es macht Spaß, trainiert unsere Fähigkeiten, schafft Zusammenhalt und vieles mehr. Schiller schrieb einmal "Der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt". Das meint in etwa, dass wir beim Spiel alle unsere Fähigkeiten aktivieren und ihnen eine Richtung geben. Denken Sie einmal daran, wie sehr Menschen von Spielen wie Fussball oder Rollenspielen absorbiert werden können. Es ist, als ob sich die großen Lebensthemen im Kleinen konzentrieren.

Welche Spiele motivieren und verbinden?
Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Menschen sprechen typbedingt auf unterschiedliche Spiele an - und das kann sich auch in den Lebensphasen ändern. Außerdem sind Spiele so unterschiedlich, dass es vermutlich keine Eigenschaft gibt, die allen Spielen gemeinsam ist. Viele begeistern sich für Spiele, die in Gruppen stattfinden - weil dort die komplexen Gruppenprozesse ins Spiel hineinverlagert werden können. Und häufig sorgt ein Element des Zufalls, des Unkontrollierbaren für ein intensives Spielerlebnis - so wie bei dem Klassiker "Mensch, ärgere dich nicht". Es ist dann wie im Leben: Wir müssen gut mit dem Umgehen, auf das wir keinen Einfluss haben und wir sehen auch, wie die anderen das tun.

Was sind die Vorteile spielerischer Wissensvermittlung?
Zunächst einmal macht es mehr Spaß, das heißt die Aufmerksamkeit ist größer und wird länger gehalten. Wenn es gut gemacht wird, dann bekommt das Wissen im Spiel einen Sinn. Es sind dann keine abgelösten Wissens-Bausteine, die nur auswendig hergesagt werden, sondern das Wissen wird gleich bei der Anwendung gelernt. Erstens ist das für den Betreffenden ein erfüllendes Erlebnis, weil er in der Anwendung des neu Gelernten ein Erfolgserlebnis hat. Und zweitens wird es auf diese Art viel besser erinnert. An diese vielfältige und anthropologisch grundlegende Art des Lernens sollte wir dringend wieder mehr anschließen. Auch und gerade in der Marken-Kommunikation mit Kids und Teens.

Vielen Dank für das Interview!

„Jeder Blog hat andere Stärken für ein Thema"

„Jeder Blog hat andere Stärken für ein Thema"

Tomma Rabach, Geschäftsführerin, rabach kommunikation im Kurz-Interview über die Nutzung von Elternblogs.

KIDS.TEENS & MARKE 2017

Blogs zeichnen sich durch Glaubwürdigkeit und direkte Empfehlungen aus. Wie funktioniert dies mit der Zielgruppe „Kids“?

T.R.: "Etwa 95 Prozent* der Väter und Mütter suchen im Internet nach Empfehlungen. Ob Tipps für die sinnvolle Freizeitgestaltung, authentische Reiseberichte oder Produktbewertungen – Blogger werden von Eltern häufig als Experten auf Augenhöhe gesehen, oder gar als Freundin verstanden. Ihr Rat wird ernst genommen. Und so können Blogger zu sehr wertvollen Markenbotschaftern für das eigene Unternehmen werden."

*FACT (Family Access Tool), Erhebung im Januar 2015 unter 1609 Eltern und 811 Kindern.

Was sind Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen „Blog-Kampagne“?

T.R.: "Eine erfolgreiche Blogger-Kampagne verbindet ein relevantes Thema mit einer darauf basierenden, optimalen Blogauswahl und dem Ziel individueller Beiträge – aus dem Leben des ebenso individuellen Bloggers. Auf diese Weise entstehen authentische und damit für den Leser interessante Blogposts. So können Streuverlusste nahezu ausgeschlossen werden. Je nach Ziel kommt es bei der Blogauswahl nicht immer ausschließlich auf die Reichweite an. Jeder Blog hat eine andere Stärke, die für genau dieses eine Thema von Bedeutung sein kann. Insbesondere im Bereich Kinder und Familie sind eine hohe Authentizität und damit einhergehend eine hohe Interaktion und Identifikation der Leser mit dem Blog entscheidend. Wir haben ein internes Tool entwickelt, mit dem wir eruieren können, welcher Blog im individuellen Fall relevant ist. Hierbei kommen verschiedene Kriterien zum Tragen, die weit über das Mediakit hinausgehen, das viele Blogger anbieten."

rabach kommunikation ist Premium Partner bei KIDS & MARKE. Auf was dürfen sich Kongressteilnehmer bei Ihrem Vortrag freuen?

T.R.: "In erster Linie auf einen unterhaltsamen Dialog zwischen Blogger und Unternehmen/Agentur. Auf einen Einblick in Blogger Relations, wie wir dieses Marketinginstrument verstehen. Auf Tipps und Tricks für eine professionelle Zusammenarbeit mit Bloggern, auf Eckdaten zur Auswahl passender Blogs und damit die Unterscheidung zwischen Markenbotschaftern und vermeintlich gelangweilten, schreibenden Hausfrauen. An meiner Seite wird Anne-Luise Kitzerow sein, selbst Bloggerin und Initiatorin der blogfamilia. Sie zeigt uns den anderen Blickwinkel und bringt aktuelle Daten und Fakten über die Erwartungshaltung von Bloggern an Unternehmen mit. Und so werden wir am Ende sicherlich klären können, ob Blogger eine ernstzunehmende Alternative zu klassischen Elterntitel sind oder ob der Vergleich hinkt, weil wir Äpfel mit Birnen vergleichen."

Vielen Dank für das Interview.

„Kommunikation mit Fokus auf Eltern und Kinder"

„Kommunikation mit Fokus auf Eltern und Kinder"

Erik Winterberg, Geschäftsführer, Elements of Art im Interview über die zeitgemäße Kommunikation und das neue Nutzungsverhalten von Kindern und Eltern.

KIDS.TEENS & MARKE 2017

Die Digitalisierung ist längst auch bei den Jüngsten angekommen. Welche Entwicklungen können Sie beobachten?

E.W.: "Die jüngsten Kinder in der Familie adaptieren digitale Inhalte und Geräte sehr viel schneller als bisher, nicht nur von ihren Eltern, sondern besonders von älteren Geschwistern. Außerdem findet keine Unterscheidung mehr zwischen on- und offline Content statt – die Verschmelzung beobachtet man gerade sehr deutlich bei den „connected toys“, also Spielsachen, die eine Verbindung mit dem Internet aufbauen. Die klassische Trennung löst sich durch einen natürlichen Umgang mit vernetzten Spielzeugen oder Accessoires auf. Dadurch geben Kinder ihre Daten selbstverständlicher – wenn auch oft unbewusst – preis."

Worin bestehen Unterschiede zwischen der Ansprache von Kids & Erwachsenen? Wie unterscheidet sich das Nutzungsverhalten?

E.W.: "Die Ansprache ist im Kern bei beiden Zielgruppen gleich und doch unterschiedlich. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass der Inhalt interessant, relevant und einfach zu verstehen sein muss. Gleichzeitig müssen Geschichten erzählt werden – für die Kids in einem bunten, runden und lustigen Design. Erwachsene erwarten stringente Stories, die über alle Kanäle erlebbar sind. So ergibt sich für den Nutzer ein kohärentes und emotionales Markenerlebnis. 

Im Nutzungsverhalten zeigen sich deutliche Unterschiede. Während sich kleinere Kinder beispielsweise im App Markt für VOD-Angebote und kleine Storytelling-Apps mit bekannten Charactern interessieren, wollen ältere Kids vor allen Dingen soziale Apps, die der aktiven und passiven Kommunikation dienen, wie WhatsApp, YouTube etc. Bei den Eltern mischen sich beim Nutzungsverhalten diese beiden Genres (Spiele und Kommunikation) mit funktionalen Apps aus den Bereichen Finanzen, Shopping, Reisen und Verkehrsmittel, Sport und anderen individuellen Interessen."

Was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Kommunikation mit der jungen Zielgruppe? An wen adressieren - Kids oder Eltern?

E.W.: "Die Kommunikation sollte sich bestenfalls an Eltern und Kinder richten, allerdings mit unterschiedlichem Fokus. Kinder lieben es, sich mit bekannten Charactern auseinanderzusetzen, sei es im spielerischen oder auch im kreativen Umfeld. Für die Eltern gilt: In der Kommunikation sollen Bedenken abgebaut werden, natürlich positiv formuliert. Eltern ist es wichtig, ob der digitale Inhalt edukativ, sicher und auch altersgerecht ist. Hier können bekannte Brands und auch Character einen Vertrauensvorschuss bieten. Neue Angebote haben es hingegen schwerer. Hilfreich sind Empfehlungen anderer Eltern, Siegel, Auszeichnungen – aber auch vertrauenswürdige Absender wie Elternmagazine oder auch Lehrkräfte. Im optimalen Fall muss man also Eltern und Kinder mit unterschiedlichen, aber zielgruppengerechten Inhalten und Argumenten bedienen – und das möglichst zeitgleich."

Vielen Dank für das Interview!