„Die Likes haben an Relevanz verloren“ | KIDS.TEENS & MARKE
März 2019

Wien – Jugendliche kommuniziere­n heute anders als die Generationen vor ihnen. „Inhalte auf Instagram, Youtub­e & Co. werden schnell und eher beiläufig geliked und geshared“, meint Charles Bahr, Schüler und Deutschlands jüngster Agenturchef. Deshalb hätten Likes nicht mehr die Relevanz von früher. Vieles, was gefällt, wird nicht zwangsläufig gelesen. Das Ziel eines Unternehmens müsse es daher sein, so einzig­artig aufzutreten, dass man im Feed nicht untergeht.

Das gelinge aber nicht durch offensichtliche Werbung, die funktioniere bei Teenagern nur noch selten, sondern durch gut erzählte Geschichten auf den richtigen Kanälen. Charles Bahr ist Schüler und Deutschlands jüngster Agenturchef. Vor drei Jahren gründete der 17-Jährige seine Firma Tubeconnect Media, um Unternehmer im Thema Generation Z zu schulen. Erwachsene reißen sich um ihn. Noch keine Matura, aber schon Chef. Auf internationalen Kongressbühnen, wie etwa bei Österreichs größtem Sportbusinesstreff „Sport & Marke“ am 6. Mai in Wien, erklärt er Mar­ketingentscheidern, wie die junge Zielgruppe tickt.

Facebook nutzen Teenager heute kaum noch. „Das verwenden wir nur, um mit den älteren Leute­n in Kontakt zu kommen oder um einen Geburtstag nachzusehen“, sagt Bahr. TikTok gelte als das Next Big Thing unter den sozialen Netzwerken. Mit der App, die weltweit 130 Millionen Nutzer zählt, sollten sich schleunigst auch Werbungstreibende beschäftigen, meint Bahr. Aus Werbesicht werde die Plattform derzeit kaum genutzt. Auf TikTok tummeln sich vor allem ganz junge Teenager, die ihre mit Musik unterlegten Videos hochladen und teilen. Marketing-Entscheider sollen sich aber nicht nur mit TikTok beschäftigen, sondern generell verstärkt mit neuen Plattformen experimentieren. „In der Branche sind viele aktiv, die keine Erfahrung und wenig Ahnung von der Zielgruppe haben“, so Bahr.

Die Generation Z, das sind junge Leute zwischen zehn und 23 Jahren, möchte mitgestalten und eigene Inhalte kreieren. Sie ist die erste Generation, die die Klaviatur der Social-Media-Landschaft beherrscht. Und das tut sie mit dem Smartphon­e als alltäglichem Tool. Derzeit liegen Snapchat, Insta­gram sowie Twitch und Youtube im Trend. Teenager tauschen sich überwiegend über Whatsapp aus. Bahrs eigene Mediennutzung beschränkt sich fast ausschließlich auf Online-Medien. „Für Nachrichten nutze ich Twitter. Lineares Fernsehen und Printmedien verwende ich so gut wie nie.“

Neben all der Schnell­lebigkeit im Medienkonsum sei die Jugend eine Generation der Macher. Erfolg steht vor Leistung. Was früher als Hobby neben der Schule ausgeübt wurde, das kann heute durch neue Medien von jungen Leuten selbst gezielt vermarktet werden. „Jugendliche von heute verstehen die Logik der Marktgesellschaft.“ Die Alters­frage stelle sich heute nicht mehr, es sei eine Frage der Kompetenz im Umgang mit neuen Medien. Einer der Top-Trends seien derzeit vertikale Videos, die hochprofessionell umgesetzt sind. Ein Beispiel dafür ist der Musik­clip von Lena Meyer-Landrut auf Instagram. Wie beiläufig gefilmt, träller­t die Sängerin im Hochformat auf IGTV daher mit Hunderttausenden Aufrufen innerhalb kürzester Zeit. Das ganze Musikvideo ist so konzipiert, dass man das Gefühl hat, in Lenas Smartphone zu stecken. Der Macher ist der Fotograf Paul Ripke, der selbst mit den Hochformatvideos eine riesige Fangemeinde hinter sich schart. Formate müssen neu gedacht werden. „Vertikale­r Content ist die Zukunft, weil er auf das Nutzererlebnis ausgelegt ist.“